Wärmebrücken: Warum sie beim Hausbau nicht unterschätzt werden sollten

Typenhaus Birkenwall 2

Wärmebrücken gehören zu den Details eines Gebäudes, die man nach dem Einzug nur schwer korrigieren kann. Sie entstehen dort, wo Wärme schneller nach außen abfließt als durch die angrenzenden Bauteile. Die Folge können kalte Oberflächen, ein geringerer Wohnkomfort und unter ungünstigen Bedingungen auch ein erhöhtes Schimmelrisiko sein.

Deshalb sollten Wärmebrücken bereits bei der Planung eines Neubaus berücksichtigt werden – und nicht erst dann, wenn im fertigen Gebäude kalte Stellen oder Feuchtigkeit auffallen.

Was ist eine Wärmebrücke?

Eine Wärmebrücke ist ein Bereich der Gebäudehülle, an dem Wärme leichter abfließen kann als durch die umliegenden Bauteile. Ursache können beispielsweise unterschiedliche Materialien, geometrische Besonderheiten oder konstruktive Anschlüsse sein.

Ein einfaches Beispiel zeigt, warum sich Materialien unterschiedlich kalt anfühlen können: Beton leitet Wärme deutlich schneller als Holz. Beide Materialien können dieselbe Temperatur haben. Sitzt man darauf, fühlt sich Beton trotzdem kälter an, weil er die Körperwärme schneller abführt.

Ein ähnlicher Effekt kann auch innerhalb eines Gebäudes auftreten. Befindet sich beispielsweise ein Bauteil mit hoher Wärmeleitfähigkeit in der Gebäudehülle, kann an dieser Stelle mehr Wärme nach außen verloren gehen.

Wo entstehen Wärmebrücken?

Wärmebrücken treten häufig dort auf, wo verschiedene Bauteile aufeinandertreffen oder die Gebäudegeometrie besondere Anschlüsse erfordert.

Typische Bereiche sind:

BereichTypisches Problem
Fensteranschlüsseniedrigere Oberflächentemperaturen
Gebäudeeckengeometrisch bedingte Wärmeverluste
Balkoneauskragende Bauteile können Wärme nach außen führen
BetondeckenBeton leitet Wärme relativ gut
Stahlbauteilehohe Wärmeleitfähigkeit


Gerade bei Fensterbereichen wird ein Problem häufig zunächst als „Zugluft“ wahrgenommen. Bei modernen Fenstern muss es sich jedoch nicht um undichte Stellen handeln. Eine vergleichsweise kalte Oberfläche kann bereits dazu führen, dass sich der Bereich unangenehm anfühlt.

Beim Neubau betrachten wir deshalb nicht nur die Dämmstoffdicke. Entscheidend sind auch die Anschlüsse zwischen den einzelnen Bauteilen.

Können Wärmebrücken Schimmel verursachen?

Eine Wärmebrücke bedeutet nicht automatisch, dass Schimmel entsteht. Problematisch wird es vor allem dann, wenn die Oberflächentemperatur an einer solchen Stelle deutlich absinkt und gleichzeitig ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist.

Je kälter eine Oberfläche ist, desto ungünstiger können die Bedingungen für die Feuchtigkeit an dieser Stelle werden. In Räumen mit erhöhter Luftfeuchtigkeit kann dadurch das Schimmelrisiko steigen.

Das zeigt auch, warum die Aussage „einfach mehr lüften“ nicht immer die ganze Lösung ist. Lüften ist für das Raumklima wichtig. Eine konstruktiv schlecht gelöste Wärmebrücke lässt sich dadurch aber nicht beseitigen.

Deshalb sollte die Frage bereits bei der Planung gestellt werden: Wie hoch ist die Oberflächentemperatur an kritischen Stellen, wenn das Gebäude später genutzt wird?

Wärmebrücken beeinflussen auch den Wohnkomfort

Energieverluste und Schimmel sind nicht die einzigen möglichen Folgen. Auch der Wohnkomfort kann leiden.

Eine kalte Oberfläche am Fenster, eine ungünstig geplante Ecke oder ein schlecht gelöster Anschluss kann dazu führen, dass sich ein Raum trotz ausreichender Raumtemperatur unangenehm anfühlt.

Für uns gehört deshalb zu einem gut geplanten Neubau nicht nur die Frage, wie viel Energie das Gebäude benötigt. Auch die Oberflächentemperaturen der Bauteile müssen betrachtet werden. Ein Raum sollte sich möglichst gleichmäßig anfühlen – ohne einzelne deutlich kältere Bereiche.

Wie lassen sich Wärmebrücken beim Neubau vermeiden?

Der wichtigste Schritt ist, Wärmebrücken frühzeitig zu berücksichtigen. Wenn kritische Details erst nach Fertigstellung auffallen, sind Änderungen deutlich aufwendiger.

In der Planung können beispielsweise Fensteranschlüsse, Gebäudeecken, Balkonanschlüsse oder andere konstruktive Übergänge gezielt untersucht werden. Für solche Untersuchungen stehen Berechnungsverfahren und entsprechende Software zur Verfügung.

Dabei geht es nicht nur darum, eine Wärmebrücke rechnerisch zu erkennen. Die geplante Konstruktion muss später auch entsprechend ausgeführt werden.

Für Bauherren bedeutet das konkret:

  1. Wärmebrücken bereits in der Planung ansprechen.
  2. Kritische Anschlussdetails berechnen bzw. überprüfen lassen.
  3. Darauf achten, dass die geplanten Details auf der Baustelle tatsächlich umgesetzt werden.

Gerade der letzte Punkt wird leicht unterschätzt. Eine gute Planung hilft wenig, wenn ein konstruktiv wichtiger Anschluss bei der Ausführung anders hergestellt wird.

Was sollten Bauherren vor Baubeginn prüfen?

Wer ein Haus baut, muss nicht jede Wärmebrückenberechnung selbst durchführen. Es lohnt sich aber, die richtigen Fragen zu stellen:

  • Wurden Wärmebrücken bei der Planung der Gebäudehülle berücksichtigt?
  • Welche Bauteilanschlüsse sind besonders kritisch?
  • Wie werden Fensteranschlüsse und auskragende Bauteile ausgeführt?
  • Wurden relevante Details rechnerisch überprüft?
  • Stimmen Planung und tatsächliche Ausführung überein?

Je früher diese Punkte geklärt sind, desto einfacher lassen sich konstruktive Lösungen umsetzen.

Podcast zum Thema Wärmebrücken

In unserer Podcast-Folge sprechen wir ausführlicher über Wärmebrücken, Oberflächentemperaturen, Wohnkomfort und die Bedeutung einer frühzeitigen Planung. Anhand praktischer Beispiele wird erklärt, warum sich bestimmte Bauteile kalt anfühlen und wo beim Hausbau besondere Aufmerksamkeit erforderlich ist.

Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, kann sich die vollständige Folge direkt anhören.

FAQ

Was genau ist eine Wärmebrücke?

Eine Wärmebrücke ist ein Bereich der Gebäudehülle, an dem Wärme schneller nach außen abfließen kann als durch die angrenzenden Bauteile. Sie kann beispielsweise durch Materialien, Geometrie oder konstruktive Anschlüsse entstehen.

Wärmebrücken können das Schimmelrisiko erhöhen, wenn dadurch die Oberflächentemperatur sinkt und gleichzeitig ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist. Eine Wärmebrücke allein bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Schimmel entsteht.

Typische Bereiche sind Fensteranschlüsse, Gebäudeecken, Balkonanschlüsse, Betondecken und Bauteile aus Materialien mit hoher Wärmeleitfähigkeit, beispielsweise Stahl.

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